Reisebericht von Helmut: Amsterdam – Bremerhaven

Helmut hat nachfolgen, ungekürzten Bericht zur Überführungsfahrt der XENIA II, von Amsterdam nach Bremerhaven geschrieben: Hier wird vor der Reise berichtet die Helmut und Friedhold zusammen mit Skipper Martin auf seiner XENIA 2 erlebt haben.

Los ging es ganz harmlos, jedoch spontan und herzlich. Martin hat uns besucht zum Winterbrunch des YCFL am Flughafen Stuttgart. Als ich sah, wie der Martin sich bei Friedhold verabschiedete, bin ich schnell rüber gerannt, und habe Martin gefragt, wann er denn wieder eine Reise plane. Spontan sagte er, sein Schiff liege an den Niederlanden / Amsterdam und soll Mitte Ende März nach Bremerhafen überführt werden. Ein kurzer Blick in die Augen von Friedhold genügte, und wir beide haben unsere Unterstützung zugesagt. Martin war doch leicht überrascht. Umso mehr hat er sich gefreut dass wir “Ernst” gemacht haben.
Die Zeit zwischen Zusage und Reisebeginn hatten wir rege Kontakt um Termin und Ablauf zu besprechen.
Dann ging es los !
Friedhold reiste mit dem Zug nach Amsterdam, ich bin mit dem Pkw nach Bremerhafen und dann ebenfalls mit dem Zug nach Amsterdam. Grund war die Rückreise. Die sollte dann per Pkw ab Bremerhafen starten.
 
Auf dem IJsselmeer    Foto: Helmut

23.03.2012 Freitag Morgens Anfahrt nach Bremerhafen. Auto abgestellt am Parkplatz des Alfred Wegener Institutes. Mit dem Zug nach Amsterdam gereist. Über eine Stunde den Hafen der Xenia gesucht. Freunde und Schifff gefunden. Abends noch die Reise besprochen, super geschlafen, wie immer auf nem Schiff eben. . . 

 
24.03.2012 Samstag
Martin hat uns eine Sicherheitseinweisung gegeben. Upps…. der kann ja richtig ernst sein. Doch im Notfall geht es ja um Leben oder Tod. Ein längeres Bad in der Nordsee um diese Zeit ist bestimmt tödlich. Wir haben viel über die Systeme erklärt bekommen und fühlten uns sicher und wohl. Verbunden mit dem notwendigen Respekt, denn die Reise wäre bei Unachtsamkeit sehr gefährlich. Dann endlich hinaus aufs Isselmeer. Endlich wieder mal Wasser unterm Kiel. Die Xenia schiebt ohne Mühe gegen Wind und Wasser. Doch Vorsicht! Immer schön in der Betonnung bleiben. Leider konnten wir nur unter Maschine fahren. Wind direkt auf die Nase. Kreuzen hätte zu lange gedauert. Abends eingelaufen in Makkum. Neben der Schleusse in die Nordsee/Wattenmeer. Anlegemanöver hat schon mal prima geklappt, auch ohne viel Worte.
 
25.03.2012 Sonntag
Ich habe Martin und Friedhold versprochen frische Brötchen zu holen. Laufe nach Makkum und wunder mich warum die Geschäfte ZU haben. Die Leute laufen schick gekleidet ind die….Kirche. MIST Heute ist ja Sonntag. Eben keine frischen Brötchen. Doch ohne Brot möchte ich nicht zu Martin und Friedhold. Also mutig ein Haus gesucht, was nach kindern aussieht. Schaukel und Sandkasten im Vorgarten. Geklingelt ! ! habe nach Brot gefragt, weil wir nun auf die See raus geht und die Geschäfte ZU haben. ich weis nicht warum, war es Mitleid, Bewunderung, oder die wollten mich einfach LOS haben. Auf jeden Fall gab es Brot für uns. Warum haben Martin und Friedhold so gelacht über diese Aktion ??? Dann endlich nach leckerem Frühstück ging es durch die Schleusse raus ins Wattenmeer, Wieder stundenlang motoren der vorgeschriebenen Wege entlang. Unglaublich. Man sieht nur Wasser um sich rum, trotzdem muss man sich an die Betonnung halten. Dann Wassertiefe immer über 10m endlich Nordsee bei gutem 3er Wind von Nord. Hoch an den Wind und 4-5 Knoten Richtung Bremerhafen. Vorbei an den Friesseninseln. Alles bei Sonnenschein. 

JA ! Das ist Bilderbuchsegeln !

Es wird nacht und kalt auf der Nordsee
Foto: Fridhold Helber

Die Nacht durchgesegelt, 2 Stunden Pause dann vier Stunden Dienst. Immer zwei Mann oben. Radar, GPS und Autopilot unterstützen prima. Trotzdem muss man permanent von zwei Seiten aus nach vorne blicken und die Dunkelheit absuchen. Es könnte ja “etwas” unbeleuchtetes herum treiben. Nachts gefrohren wie noch nie. 2-3 Grad war einfach zu wenig. Martin war sehr angespannt und ernst. Klar! Er hatte ja die Verantwortung. Schön als die Sonne wieder kam am Montag Morgen. Wir sind wieder aufgetaut. In der Nacht haben wir eine prima Strecke zurück gelegt.

 
26.03.2012 Montag
Es hätte sooooo schön werden können, doch der Wind ist zunehmend eingeschlafen. Dann kam gegen 11 Uhr dickste Nebelsuppe! ! Motort mit Autopilot. Martin nahm Kontakt auf mit den Lotsen. Die haben wohl gleich gemerkt dass hier ein Profi kommt. Das hört man raus. Die Funkgespräche waren auf Augenhöhe. Martin hatte stets Blick auf eine Bildschirme; das war eigentlich ein Blind- bzw. Geräteflug. Die von Martin angesagten Tonnen, kamen mit stoischer Genauigkeit. Plötzlich ein tiefes Horn. Und Bugwellen ! ! ! Martin wieder sehr konzentriert und ruhig. Als die Heckwellen des unsichtbaren Schiffes kamen, sagte uns Marin die Daten: Über 300 m lang, und wir sahen nichts.. Dann gings die Weser hoch. Stets in Kontakt mit den Lotsen. Irgendwann sagen die (und Martin) nun nach Backbord steuern. Unglaublich wie präzise das ging. Das erste was zu sehen war, ist die Schleussen Einfahrt. Man, hat der Martin sein Schiff im Griff.
Mit Schleussen haben wir ja nun Erfahrung, und so sind wir gut in den Innenhafen eingelaufen. Am Platz angekommen und Fest gemacht.
Schade dass wir schon da sind……
 
Von links nach rechts: Martin, Helmut, Friedhold nach der Ankunft in Bremerhaven
27.03.2012 Dienstag
Erst mal ausschlafen (bis 7.30 Uhr…) Dann in Bremerhafen Brötchen geholt. Frühstück im Schiff. Martin musste noch ins Alfred Wegener Institut. Friedhold und ich habe unsere Sachen zusammen geräumt, das Schiff ordentlich sauber gemacht. Sind dann zum Mittagessen ins Institut. Am Nachmittag Besuch im Schiffahrtsmuseum. Abends hat Martin gekocht. Wir sasen 2-3 Stunden zusammen. Über Segeln, Jagen, Fischen geredet. Ich habe am Abend noch starke Kopfschmerzen bekommen. Doch mit Aspirin schnell behandelt. Es war ein Wetterumschwung; oder eine kleine Mirgräne???
 
28.03.2012 Mittwoch
Nach dem Aufstehn das Schiff verlassen. Martin hatte eine Schulung in Bremen. Klar dass wir den mit nehmen. Friedhold u ich sind dann nach Hause gefahren. Ich habe Friedhold gerne Heim gefahren. Das war es mir wert, er ist ja unser Vereinschef.


Lieber Martin, geb uns bitte Bescheid, wenn die nächste Reise ansteht.!
Liebe Grüße, Friedhold und Helmut