Klimaforschung in den Polarregionen

Der Fachbereich Klimawissenschaften für den ich am Alfred-Wegener-Institut arbeite hat eine gelungene Broschüre über unsere Arbeit veröffentlicht.

Das Magazin kann hier herunteggeladen werden (26MB)

Auf den Spuren des Wandels

Als Polarforscher haben wir das Glück, in einzigartigen Naturräumen arbeiten zu dürfen. Die Arktis fesselt durch die rauen Gletscherfjorde Grönlands und Spitzbergens, durch Begegnungen mit wachsamen, elegant auf Eisschollen dahinschreitenden Eisbären und durch die scharfen  Kontraste, die sich aus dem Zustrom warmen Wassers aus den Subtropen und den arktischen Kaltluftausbrüchen ergeben. Auf Antarktis-Expeditionen an Bord des Forschungseisbrechers Polarstern erleben wir die stürmische See der „Furious Fifties“ und „Screaming Sixties“ und die majestätische Stille des eisbedeckten Ozeans und der darin dahingleitenden Tafeleisberge in einer der vom Menschen unberührtesten Regionen unseres Planeten.

Wie uns diese Faszination und unsere Neugierde antreiben, erfahren Sie in Auszügen in diesem Heft. Begleiten Sie uns auf Meereismessflügen in der Arktis, bohren Sie mit uns durch das zweitgrößte Schelfeis der Antarktis oder schauen Sie unseren Mathematikern dabei über die Schulter, wie sie neue Methoden für die Klimamodellierung entwickeln. Dabei werden Sie einen Eindruck davon gewinnen, wie vieler Puzzleteile es bedarf, um ein umfassendes Bild von den vielseitigen physikalischen Prozessen des Klimageschehens in den Polarregionen zu erhalten.

Aus dem Editorial unseres Fachbereichsleiters Prof. Dr. Torsten Kanzow

Antarktisexpedition – Zusammenfassung und Bilder

Als wir in der Atka-Bucht ankamen war schnell klar, dass die Versorgung von Neumayer III eine große Anstrengung wird.Hier ein paar Impressionen von der vergangenen Antarktisexpedition. Leider war es ja nicht möglich direkt während der Expedition zu berichten.
Beim Ablegen kochte das Hafenbecken von Kapstadt

Es ging wie geplant am 2. Dezember 2014 in Kapstadt los. Beim Ablegen hatten wir ordentlich Wind. Durch die Trockenheit und den starken Wind gab es einen Waldbrand auf den Hausberg über der Stadt, welchen wir bis in die Dunkelheit sehen konnten.

Deutlich ist der Waldbrand zu sehen

Das erste Ziel waren die ozeanischen Wirbel des Angulhasstroms. Die Ozeanographen an Bord hatten hier vor Jahren Messgeräte an Verankerungen ausgebracht. Diese mussten nun auf dieser Fahrt geborgen werden.

Der ACC (Antarktischer Circumpolar Strom) hat Potential für hohe Wellen
Die Analyse des Meerwassers wird mit wilder Apparaturen gemacht. Bin halt kein Chemiker 🙂
Es ging auf dem Null-Meridian durch den ACC weiter nach Süden bis wir die Eisgrenze erreichten. Im Eis hatten wir erste Gelegenheit den neu gebauten ROV-Leitstand im Einsatz zu erproben.
Der erste Eisberg der Reise
Helikopter beim Start
Auf tausende von Meilen nichts außer Wasser und Polarstern
Uups, da hat mich die Steffi in voller Montur fotografiert. Foto: Stefanie Arndt
Eissturmvogel
Die erste Eisstation. Der Helikopter bringt den ROV-Leitstand an seinen Einsatzort.
Mit dem EM-Bird am Helikopter machen wir Eisdickenmessungen
Am Heiligabend in der Nacht. Heimweh!
Atka-Bucht

 Ein wichtiger Teil dieser Fahrt war die Versorgung der deutschen, ganzjährig besetzten Antarktisstation Neumayer III. Als wir in der Atka-Bucht ankamen versperrte uns meterdickes Fest-Eis das Erreichen des Nordanlegers an der Schelfeiskante. Um die Versorgungsgüter entladen zu können musste Polarstern Tagelang in dieses extrem dicke Eis rammen und versuchen einen Kanal zum Anleger zu bahnen. Nach mehreren Tagen ging bei dieser Aktion der Verstellpropeller an der Backbordwelle kaputt. Alle Reparaturversuche sind gescheitert und wir mussten letztendlich eine sehr zeitaufwändige Meereisentladung machen.

Man kann mit bloßem Auge die 20 Kilometer entfernte Neumayer III Station auf dem Schelfeis erkennen
Da Polarstern auch ohne uns eisbrechen kann, lassen wir uns zu einer Eisstation absetzen. Polarstern holt uns dann nach 10 Stunden auf dem Eis wieder ab.
Die kleinen Adelie Pinguine hab ich besonders ins Herz geschlossen.
Die Tiere sind total neugierig. Wir Menschen sind bemüht den vom UBA (Umweltbundesamt) vorgeschriebenen Mindest-Abstand von 5 Metern einzuhalten. Doch irgendwie wissen die drolligen Kerle nichts von den Vorschriften des UBA, oder halten es nicht für nötig diese einzuhalten 🙂
Unser ROV (ferngesteuerter Tauchroboter) kurz vor dem Auftauchen.
Sandra misst im Helikopter mit dem EM-Bird die Eisdicke. Parallel dazu misst Thomas mit dem GEM in der Pulka ebenfalls die Eisdicke.  Zusätzlich wird ein Loch am Schnittpunkt gebohrt und die Eisdicke mit einem Maßband gemessen. Durch solch einen Vergleich kann man sehr gut die Messgenauigkeit der einzelnen Systeme bestimmen.
Krabbenfresser sind Raubtiere und teilweise ziemlich aggressiv. Nicht zu vergleichen mit den Robben auf Helgoland.
Kaiserpinguine sind wesentlich größer als die Adeliepinguine
Als klar war, dass wir nicht an den Nordanleger kommen fällt die Entscheidung zur Meereisentladung.
Eine Entladung auf dem Meereis ist sehr zeitintensiv.
Es müssen bei jeder Fuhre 20 Kilometer zur Neumayer III Station inklusive Schelfeiskante überwunden werden und dann nochmals das Gleiche zurück.
Die Neumayer III Station ist die ständig besetzte Forschungsstation der Bundesrepublik Deutschland in der Antarktis. Wenn man sich ihr nähert hat das etwas sehr Surreales. Irgend wie stellt sich eine Art Raumschiff Enterprise Feeling ein.
Am Eingang der Station. Foto: Thomas Hollands
Raumschiff oder Polarstation?
So eine Fahrt zur Neumayer bietet manche Überraschung. Vor allem wenn man hinter einem Pistenbully fährt. Das fordert Mensch und Material 🙂
Die Schelfeiskante

Dass wir fortan nur noch die halbe Antriebsleistung zur Verfügung hatten, war für den weiteren Verlauf der Expedition fatal. Ein brechen von dickem Eis ist mit einer Welle schlicht weg nicht möglich. Dadurch war es nicht möglich, unseren geplanten Kurs durch das Wedellmeer nach Südamerika fortzusetzen.

Das Wetter wurde schlechter und der Wind drehte auf Nordost. Dadurch wurde das Eis dichter und wir kamen erstmal nicht weg. Naja wir haben die Zeit genützt und mit unserem Messprogramm weiter gemacht.
Ungemütlich
Der ROV-Leitstand hat sich bestens bewährt.
So sieht es dann aus, wenn eine tiefgefrorene Kamera wieder aufgetaut ist. Es erstaunt mich immer wieder, was diese Geräte alles klaglos ertragen.
Da sitzen wir wohl im selben Boo
Als die Schneetrift noch mehr zugenommen hatte
Manchmal macht es auf mich den Eindruck, dass Die Kaiserpinguine die Erwachsenen und die Adeliepinguine die Kids sind
Einsame Wanderer

Die Expeditionsleitung hat zusammen mit dem AWI in Bremerhaven beschlossen die Expedition abzubrechen und wir sind nach Kapstadt zurückgefahren.

Im Southern Ocean hat uns natürlich wieder schlechtes Wetter erwischt.
Riesensturmvogel
Im Kern der Tiefs kann es Sonne und üble Kreuzseen geben. Da ist man dann froh, dass man mit Polarstern und nicht mit der XENIA unterwegs ist.
Kapstadt am frühen Morgen

Dort kamen wir nach zwei Monaten am 01.Februar 2015 wieder an.

Kapstadt im Sommer

Nachdem wir gestern um die Mittagszeit in Kapstadt angekommen sind, hatten wir für den Nachmittag erst mal frei. Eigentlich war ich von der langen Reise ziemlich fertig, bin dann aber doch mit Sandra und Marcel auf den Tafelberg hoch gefahren. Der Ausflug hat sich total gelohnt. Die Aussicht von da oben (ca. 1000m) ist phänomenal.

Vom Tafelberg auf Robben Island geschaut. Die gelben Blümchen haben mir besonders gut gefallen.
Uups Marcel, da geht es einen Kilometer runter!
Da oben gibt es auch Wasser …
… und noch mehr schöne Pflanzen.
Polarstern im Hafen von Kapstadt

Heute ging es dann zur Polarstern. Dort gibt es vor dem Auslaufen noch eine Menge Arbeit zu tun.

Unsere Kisten mit den EM-Birds im Hangar. Bis alles seinen Platz gefunden hat, ist noch viel Arbeit.

Es gibt auch eine schlechte Nachricht. Leider wird es mir diesmal nicht möglich sein diesen Blog von Bord aus weiter zu pflegen, so dass dieser Eintrag bis Februar vermutlich der letzte gewesen sein wird.

Am Nachmittag haben wir noch bei dem südafrikanischen Forschungseisbrecher AGULLHAS II vorbei geschaut.
Bis zur Antarktis ist es noch ganz schön weit von hier.

Antarktis Expedition – letzte Vorbereitungen

Die letzten Monate hatte ich viel Arbeit und bin nicht dazu gekommen, neue Beiträge in diesen Blog einzustellen. Es steht eine neue Antarktis Expedition an. Am 28. November werde ich mit Marcel nach Kapstadt fliegen, um letzte Vorbereitungen durchzuführen. Geplant ist dass Polarstern am 2. Dezember von Kapstadt mit Kurs Süd ausläuft. Neben dem wissenschaftlichen Programm werden wir bei dieser Expedition auch die Versorgung unserer Antarktisstation Neumayer III machen. Im Februar 2015 laufen wir in Punta Arenas (Patagonien) ein. Ich habe vor, wie in der Vergangenheit auf diesem Blog zu berichten, wie es mir dabei so geht.

Tafeleisberg, aufgenommen bei der Antarktis Expedition von letztem Jahr
Als Nachtrag hier noch ein paar Bilder vom Sommerurlaub in Nordfriesland mit Susanne auf der XENIA II
Susanne am einsamen Strand von Amrum

 

Der Hafen von Föhr war gut besucht

 

Sabine und Tobias waren ein paar Tage zu Besuch

 

 

An manche Tagen waren das Licht die Farben fast bizarr

 

 

Wattenmeer bei Niedrigwasser

 

 

 

 

 

Sand und viel Wind

 

Kunstwerke aus Sand vom Wind gemacht

 

Kapstadt – Südafrika

Viele Menschen auf den Straßen, Straßenmusikanten, Geschäfte, Restaurants, leckerer frischer Salat und Gemüse. Plötzlich ist alles um uns herum bunt und die Temperaturen sind sommerlich. Die Zivilisation hat uns zurück.
Nach über zwei Monaten auf See sind wir am sechzehnten Oktober nachts in Kapstadt / Südafrika eingelaufen. Die Stadt empfing uns mit ihrem bunten Treiben und der Kontrast zu der eisigen Antarktis konnte vermutlich kaum größer sein.

 

Straßenmusikanten, die ihre Rente aufbessern.

 

Der Hafen von Kapstadt bei der Ankunft

 

Südafrikanische Gastlandflagge

 

Polarstern in Kapstadt

 

Das pulsierende Leben

 

Girlies

 

Südafrikanische Rhythmen

 

 

Waterfront in Kapstadt

Der Dokumentarfilm

Auf der Expedition begleitet uns ein Dokumentarfilm Team. David Stington der Regisseur und Filmemacher hat schon viele Dokumentarfilme, unter anderem für BBC gemacht. Jérôme Maison ist einer von zwei Kameramännern, die den Kinofilm “Reise der Pinguine” aufgenommen haben. Der Film hat 2006 einen Oskar als bester Dokumentarfilm bekommen. Heather Walsh ist für den Ton zuständig.

Den Film, den sie hier an Bord drehen, wird es in einer Kinoversion und einer kurzen Version fürs Fernsehen geben. In Deutschland wird die Dokumentation in Arte zu sehen sein.

David Stington und Jérôme Maison im Einsatz auf dem Eis

 

Heather mit Mikrofon und Soundrecorder

 

Jérôme bei Aufnahmen aus dem Helikopter

 

David Stington, Regie

 

Jèrôme Maison, Kamera

 

Heather Walsh, Ton

Southern Ocean

Wir haben das Weddellmeer und die Antarktis endgültig verlassen und sind wieder im Southern Ocean. Dieser zeigt sich etwas untypisch mit bestem sonnigem Wetter bei 4 BFT. Gestern sah man noch vereinzelte Eisberge, aber seit heute sind wir in offenem Wasser. Die Sonnenuntergänge sind sehr bunt und haben etwas meditatives.

Sonnenuntergang auf der Brücke

 

Der Himmel leuchtet in den tollsten Farben

 

Und kurze Zeit später sieht alles anders aus

 

Einer der letzten Eis

 

Albatros

 

Riesensturmvogel

 

Möve

Antarktischer Zirkumpolarstrom (ACC)

Mit erreichen des ACC verlassen wir langsam das Gebiet des Meereises. Der ACC ist der Meeresstrom mit dem größten Wassertransport auf unserer Erde. Er transportiert beinahe 5 mal so viel Wasser wie der Golfstrom. Gleichzeitig gibt es entlang des ACC eine tiefreichende Vertikalströmung, welche einen erheblichen Teil des Kohlendioxyds in die Tiefsee bringt, welches wir Menschen produzieren.

Als ob uns die Eisberge zum Abschied winken wollen, gibt es hier sehr viele die Spalier stehen. Eine kleine Auswahl:

Die Blaue Stunde zwischen Sonnenuntergang und Nacht.
Die Farben sind hier teilweise extrem.

 

Der obere Teil des Kolosses verschwindet in den Wolken

 

Alter Eisberg mit Höhlen und Tunnel

 

Noch ein Wolkenkratzer

 

 

Dieser Eisberg ist so groß, dass man auf dem Bild
die Pinguin Kolonie in der Mitte nur als braunen Fleck wahrnimmt

 

Noch ein Gebirge mit Pinguin Kolonie

10 BFT in Böen 58 Knoten Wind

Gestern hatten wir schweren Sturm. Im Lee von Montagu liegend, gab’s jedoch trotzdem fast den ganzen Tag Sonne und die Wellenhöhe war nicht erwähnenswert. Vermutlich durch lokale Effekte an der Insel, war der Wind deutlich stärker als vorhergesagt. Über längere Zeit hatten wir 10BFT mit Böen von 11 BFT. Diese Windgeschwindigkeiten sind ziemlich krass, wenn man auf dem Peildeck steht. Da muss man aufpassen, dass man nicht umgeweht wird. Hier noch ein paar Bilder von der Insel:

 

Eisberge vor der Steilküste

 

Das Spiel der Farben und Formen ist beeindruckend

 

Der Windmesser war längere Zeit über 50 Knoten
Im Lee von Montagu bei Sonne

 

Im Foto sind die wahren Größenverhältnisse nicht zu vermitteln

Südliche Sandwich Islands

Nach einem Monat zum ersten Mal wieder Land in Sicht. Gestern Abend haben wir die südlichen Sandwich Inseln erreicht. Momentan machen wir ein CTD und RMT vor der Insel Montagu . Wenn das Wetter nicht schlechter wird folgt dann auch noch ein EM-Bird Flug.

Montagu Island ist mit 110 km² die größte der Südlichen Sandwich Islands und hat den Vulkan Mount Belinda mit einer Höhe von 1370 Metern. Über 90% der Insel ist permanent mit Eis bedeckt. Die südlichen Sandwich Islands gehören zum Britischen Überseegebiet.

Montagu Island
Bristol Island

Hier noch ein paar Bilder vom Abbau des letzten Ice-Camps:

Zurück an der Gangway
Thomas befreit die Flaggen aus dem Eis
Märchenhafte große Eisskulpturen von Wind und Wetter geformt
Thomas und die Jungs aus Heidelberg